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Einleitung
Das Studium der Bewegung von Tieren ist traditionell ein Schwerpunkt der Biologie. Doch
die Biologen konnten niemals klären, wie Vögel, Fische oder Fledermäuse es fertig bringen,
in Formation zu fliegen und ihren Flug so zu koordinieren, als könnten sie darüber in jedem
Augenblick eine unmittelbare und einstimmige Übereinkunft erzielen. Vor den 30er Jahren
sahen sich die Wissenschaftler daher sogar genötigt anzunehmen, dass Vögel über eine Art
Gedankenübertragung miteinander kommunizieren.
Schwärme, Scharen und Herden wurden in diesem Jahrhundert umfangreich studiert. Die
Motivation ist dabei eine Schaffung künstlicher Geschöpfe mit den selben Fähigkeiten.
Jüngste Fortschritte in der Robotik brachten eine Vielzahl autonomer Roboter hervor, die in
der Lage sind zahlreiche Tätigkeiten in unterschiedlichsten Situationen auszuführen.
Gleichzeitig haben Forschungen auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz das Verständnis
über die Entwicklung komplexer Verhaltensweisen gefördert. Die Verbindung dieser
Forschungsfelder sollte es ermöglichen Multiroboter-Systeme mit Tendenz zur biologischen
Schwarmbildung zu entwickeln.
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Geschichtlicher Hintergrund
Schwarmformationen in der Natur bieten in erster Linie kleineren Tieren Schutz. Dabei
verwirrt die große Anzahl von Tieren vor allem große Fressfeinde, die nicht mehr in der Lage
sind ein einzelnes Tier zu fokussieren. Schutz bietet auch der Schwarm als Ganzes, der
Feinden ein größeres Tier vortäuscht. Ein weiterer Vorteil liegt in der Möglichkeit in der
Gruppe weitaus größere Tiere zu jagen, als als Einzeltiere. Diese angegorenen Instinkte
führen die Tiere instinktiv zusammen. Nun gilt es diese Instinkthandlung in einem
Computermodell zu integrieren.
Die ersten Schritte in diese Richtung ging Susan Amkraut, die 1985 gemeinsam mit Michael
Girard - an einer Animationssequenz arbeitete, die dann später unter dem Titel Eurhythmy
(Kunstvolle Bewegung) mehrere Medienkunstpreise bekam. In diesem Computerfilm sollte
ein Vogelschwarm aus einem Turm aufflattern, und Susan Amkraut schrieb damals ein
Programm für das Bewegungsverhalten der Vögel, in dem so etwas wie eine anziehende Kraft
vorgesehen war, die den Schwarm zusammenhielt, und eine abstoßende Kraft, die den
Zusammenstoß der Tiere verhinderte.
Bereits 1965 stellten die Wissenschaftler Cullen, Shaw und Baldwin [CuSwBa65] die These
über Sphären auf, die ein Individuum umgibt. Ein Schwarm kommt dabei dadurch zustande,
weil jedes Tier das Bedürfnis hat die Sphäre eines anderen zu berühren. Dieser Mechanismus
bewirkt die Erhaltung einer konstanten Dichte des Schwarms, erklärt aber leider noch nicht,
warum der Schwarm in seiner Gesamtheit so etwas wie ein intelligentes Verhalten zeigt, das
die Fähigkeiten der einzelnen Tiere weit übersteigt. Er scheint dabei eine übergeordnete
Ganzheit zu bilden, die sich von außen gesehen wie ein denkendes, wahrnehmende,
reagierendes und entscheidendes Wesen verhält.
Eine Lösung fand der Computerwissenschaftler Craig Reynolds [Reynol87], der sich
eingehend mit der Theorie des Schwarmverhaltens beschäftigt. Es stellte sich heraus, dass
das, was im Schwarm geschieht, nichts anderes als eine Überlagerung der Bewegungen
einzelner Tiere ist. Während seiner Mittagspause hatte er immer wieder die Amseln auf einem
nahe gelegenen Friedhof beobachtet. Trotz aller Bemühungen konnte er keinen Führer
ausfindig machen, dem sämtliche anderen Vögel nacheiferten. Er war sich bald sicher, dass
alle Amseln nur ein paar einfachen Regeln folgten. Und im Jahr 1987 machte er sich daran,
ein geeignetes Modell zu finden (siehe Kapitel 4 Schwarmmodell), welches die Grundlage
heutiger autonomer Robotersysteme bildet.
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